Das Kulturzentrum als Nachbarschaftsort für die sozial ausgegrenzten Milieus entwickeln
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Das Projekt
Im Szenekiez Linden Nord finden sich gerade alte Menschen und Menschen mit niedrigen Einkommen zunehmend ausgegrenzt wieder. Mit einem Straßenfest Ende August 2025 in der Stichstraße zur Bettfederfabrik wollen wir das Kulturzentrum Faust, im den das Zentrum umgebenden Kiez, dem Dreieck zwischen Limmerstraße, Schnellstraße und Fluss, wieder stärker als Möglichkeitsort mit vielfältigen niedrigschwellige Angeboten für diese Gruppen vermitteln. Dazu werden sich auf dem Straßenfest die unterschiedlichen im Zentrum aktiven Vereine mit partizipativen Angeboten beteiligen, darstellen und für Nachfragen vor Ort sein.
Beispiele:
- Offenes Treffen des Internationalen Frauen*treffs „La Rosa“ im kargah-Haus
- Sprachcafé: Willst Du Dein Deutsch im Alltag üben? Wir sprechen gemeinsam über aktuelle Themen. Wir unternehmen zusammen Aktivitäten, um Deutsch im Alltag zu üben.
- Politische Bildungsveranstaltungen im Zentrum: „Wir setzen uns für eine Wir-Stadtgesellschaft ein, worunter wir eine Gemeinschaft verstehen, die die Akzeptanz aller, unabhängig ihrer Herkunft, Hautfarbe, Weltanschauung, Religion, sexuellen Orientierung, ihrem Geschlecht, Alter oder sozialen Status, ermöglichen soll. Alle sollen die Möglichkeit zur sozialen und politischen Teilhabe am öffentlichen Leben erhalten“
- Wohnzimmer der gemeinsamen Geschichten. Mobiler Ort des Zuhörens und des Zusammenseins.
- u.v.a.
Zusätzlich soll das an der Schnellstraße an einer Ecke des Kiez liegende Freizeitheim mit ins Fest eingebunden werden. Durch eine Tafel mit Essen, Musik und Kulturbeiträge und ein Kinderprogramm wird eine niederschwellige Zugänglichkeit erzeugt. Insbesondere, die im Stadtteil marginalisierten Gruppen, soziale Milieus mit niedrigen Einkommen und/oder Transferleistungsbezug und Alte werden gezielt mit einer Öffentlichkeitskampagne angesprochen. Dafür werden Kontakte zu Senior*inneneinrichtungen im Kiez, zur Kirchengemeinde, und Kontakte zu Multiplikator*innen genutzt. Außerdem wird der Faustflohmarkt gezielt zur Ansprache genutzt (Flyerverteilung). Das alles zusätzlich zu den üblichen Medienkanälen. Ziel ist Menschen aus dem Kiez die Möglichkeitsräume des Zentrums langfristig als Ort der gelebten Nachbarschaft zu erschließen.
Ausgangslage
Das unmittelbare Umfeld des Kulturzentrums Faust ist geprägt von starken Differenzen der sozialen und kulturellen Milieus. Im älteren Wohnungsbestand bei Bestandsmieter*innen und im sozialen Wohnungsbau verfügen Viele nur über ein geringes Einkommen. Die Gruppe ist unterteilt in Alte und Junge und Menschen mit familiärer Migrationssgeschichte. Dem gegenüber steht eine größere Gruppe im sanierten Altbau mit gehobenen Einkommen, hohen Bildungsabschlüssen und Mittelschicht Hintergrund und viele Studierende. Die Bevölkerungsentwicklung verschiebt sich langsam zu Ungunsten der sozial schwächsten Gruppen. Für die Menschen mit ausreichend Einkommen und hohen Bildungsabschlüssen gibt es im Szenestadtteil ein reichhaltiges Angebot, vom Töpferkurs, über Sprachkurse bis hin zu einem Programmkino, Cafés und Vegan- und Ökoläden. Für Menschen mit geringen Einkommen schließt sich der Möglichkeitsraum aber immer weiter. Sie finden sich zunehmend isoliert wieder. Die Preise steigen. Auch das Kulturzentrum im Kiez wird von ihnen, nicht als ihr Ort wahrgenommen. Das Kulturzentrum hat sich von seinem unmittelbaren Umfeld über die Jahre, verstärkt durch Corona, entkoppelt. Dabei gibt es eine Reihe an Angeboten im Zentrum, die gerade auf diese sozialen Milieus zugeschnitten sind und ihnen aktive Partizipation ermöglichen würden. Wir wollen mit dem Projekt den zunehmend isolierten Milieus im Kiez das Zentrum als Möglichkeitsraum öffnen und stärker wieder auch zum Nachbarschaftsort werden.
Ansatz und Methodik
Das Kulturzentrum Faust ist unter anderen durch Aktive aus dem Kiez Anfang der 1990er Jahre aufgebaut worden. Es war am Beginn ein stark in der unmittelbaren Nachbarschaft verankertes Projekt, aus dem Stadtteil, für den Stadtteil und darüber hinaus. Der Name Faust (Verein für Fabrikumnutzung und Stadtteilkultur) steht dafür. Im Laufe der Jahre wurde das Zentrum aber stärker Ort spezifischer Teilszenen und vor allem Ort von Kunst (Ateliers, Kunsthalle), Soziokultur und der Selbstorganisation von Migrant*innen (Z.B.: Flüchtlingsbüro, Iranische Bibliothek, Beratung für Betroffene von Zwangsheiraten) und außerdem Partylocation. Es wurden aber auch immer wieder soziokulturelle Projekte mit und für den Kiez durchgeführt, darunter auch Projekte zur Selbstorganisation und gegen Gentrifizierung. Seit Corona ist hier aber nur noch wenig passiert. Die meisten Angebote werden eher von bestimmten Teilgruppen der gesamten Region Hannover wahrgenommen und haben keinen direkten Kiezbezug. Durch Kürzungen der Stadt sind weitere Angebote weggebrochen. Im Zentrum arbeiten viele Vereine mit hoher sozialer Kompetenz, teils auch explizit mit den bezogen auf Einsamkeit genannten Gruppen, aber der Schwerpunkt liegt hier nirgends auf der Kiezarbeit. Gleichzeitig bestünde aber die Möglichkeit hier Angebote zu öffnen. Letztendlich geht es darum, den von Einsamkeit betroffenen im Kiez, das Zentrum als Möglichkeitsraum zu öffnen.