Gemeinsam gestalten – Brücken zwischen den Generationen
Kreative Workshops mit Senor:innen und Jugendichen aus dem Quartier
Das Projekt
„Gemeinsam gestalten – Brücken zwischen den Generationen“ ist ein künstlerisch-soziales Projekt im neu entstehenden Quartier „Ostend“. Es soll Senior:innen aus dem Stadtteil, unter anderem aus einem Tagespflegezentrum „Daheim statt Heim“, mit Jugendlichen aus dem Ostend, insbesondere aus den Jugendhilfeeinrichtungen in Tandems zusammenbringen. Im gemeinsamen kreativen Arbeiten entstehen Begegnungen auf Augenhöhe, die Einsamkeit verringern, nachbarschaftliche Strukturen stärken und gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern. Die Laufzeit des Projektes ist vom 01.09. bis 31.12.2025.
In insgesamt fünf Gruppenworkshops, durchgeführt im Tagespflegezentrum, kommen bis zu 6 Jugendliche und 6 Senor:innen zur künstlerischen Arbeit zusammen. Nach einem vorbereitenden Briefing-Workshop für die Jugendlichen folgen fünf kreative Treffen zu Themen wie „Kindheitserinnerungen“, „Lieblingsorte“ oder „Vergangenheit trifft Zukunft“. Die Workshops finden überwiegend vormittags statt, angepasst an den Tagesrhythmus der Senior:innen und den Jugendlichen, die auf Grund ihrer benachteiligten Lebenssituation nicht zur Schule gehen (können). Begleitet wird das Projekt von ein bis zwei Fachkräften mit künstlerischem Hintergrund.
Jugendliche übernehmen im kreativen Prozess unterstützende und anleitende Rollen. Sie erfahren Verantwortung, Empathie und erhalten einen niederschwelligen Einblick in soziale Berufsfelder. Die Senior:innen erleben Selbstwirksamkeit und Wertschätzung jenseits altersbedingter Einschränkungen, auch für Menschen mit Pflege- oder Unterstützungsbedarf ist die Teilnahme möglich. So entstehen kreative Begegnungen, die soziale Isolation überwinden und nachhaltige Kontakte im Quartier fördern.
Abschließend werden die entstandenen Werke in einer öffentlichen Ausstellung in zentralen Räumlichkeiten im Ostend präsentiert. Die Ausstellung dient als Begegnungsort für die Nachbarschaft, macht die Themen sichtbar und bietet Raum für generationenübergreifenden, inklusiven und niedrigschwelligen Austausch.
Ausgangslage
Das Hildesheimer Ostend ist ein neu entstehendes Quartier mit rund 1.200 Anwohnenden. Erste Gebäude sind bezogen, doch Alltagstrukturen und eine aktive Gemeinschaft fehlen. Baustellen, Lärm, fehlende Grünpflege und mangelnde Aufenthaltsqualität prägen das Bild. Als isoliertes Randgebiet ohne direkte Anbindung an die Innenstadt bleibt das Ostend für viele ein Ort zum Wohnen und nicht zum „Leben“.
Die diverse Bewohnerschaft lebt weitgehend nebeneinander statt miteinander. Es fehlen Berührungspunkte, was Einsamkeit, Vorurteile und soziale Spaltung begünstigt. Besonders ältere Menschen in Pflegeeinrichtungen wie „Daheim statt Heim“ erleben Isolation im Alltag. Gleichzeitig fehlt Jugendlichen der Bezug zu älteren Generationen und ein gegenseitiges Verständnis entwickelt sich nicht von selbst. Auch Jugendliche im Ostend erleben Einsamkeit, oft weniger sichtbar, aber nicht weniger gravierend. Viele kommen aus herausfordernden Lebenslagen, etwa aus stationären Jugendhilfeeinrichtungen oder werden ambulant betreut. Häufig fehlt ihnen soziale Sicherheit, Anerkennung oder eine klare Perspektive. Rückzug, Isolation und das Gefühl, „nicht dazuzugehören“, sind keine Seltenheit. Unser Projekt bietet beiden Zielgruppen eine sinnstiftende Rolle im sozialen Miteinander: Als aktive Mitgestaltende in der Arbeit mit älteren Menschen übernehmen sie Verantwortung, erleben Selbstwirksamkeit und erfahren Wertschätzung. So werden nicht nur intergenerationelle Brücken gebaut, sondern auch individuelle Stärken gefördert und Einsamkeit auf beiden Seiten wirksam adressiert.
Trotz vorhandener Infrastruktur (Spielplatz, Kitas, Nahverkehr, medizinische Versorgung) mangelt es an verbindenden Angeboten.
Ansatz und Methodik
Die Nachbarschaftsarbeit im Hildesheimer Ostend befindet sich noch im Aufbau. Mit dem Einzug erster Anwohnender wird deutlich, dass es an stabilen Strukturen für Austausch, Beteiligung und gemeinschaftliches Miteinander fehlt. Die bestehende Initiative Ostend, ein freiwilliger Zusammenschluss von Akteur:innen wie Cluster Projekte GmbH, Caritas, Diakonie Himmelsthür, Gemeingut eG und dem Ortsrat, leistet erste wichtige Vernetzungsarbeit, jedoch ohne institutionelle Verankerung oder kontinuierliche personelle Ressourcen.
Feste Strukturen professioneller Gemeinwesenarbeit existieren im Quartier derzeit nicht. Um diese aufzubauen, wurde bereits ein Antrag bei der Landesarbeitsgemeinschaft Soziale Brennpunkte Niedersachsen e. V. gestellt. Ziel ist es, langfristig eine GWA-Stelle im Quartier zu schaffen, die soziale Teilhabe fördert, Begegnungsräume initiiert und lokale Netzwerke stärkt.
Wir sind mit den Prinzipien professioneller GWA vertraut, insbesondere der aktivierenden Ansprache von Jugendlichen, der Orientierung an den Lebenswelten der Menschen und dem Aufbau tragfähiger Beziehungen im Sozialraum.
Der hier vorliegende Förderantrag versteht sich als ein konkreter, praxisnaher Startimpuls: Durch kreative, generationenübergreifende Begegnungen wollen wir niedrigschwellig Beziehungen anstoßen und gleichzeitig ein erstes Fundament für nachhaltige Gemeinwesenarbeit im Ostend legen.