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Jahre Lebenshilfe Grafschaft Diepholz - Für eine bunte, vielfältige Nachbarschaft in Sulingen / Filmprojekt

Wir gestalten die Nachbarschaft von Morgen - Inklusion. Teilhabe. Sichtbarkeit. Vielfalt leben. Film von und mit Menschen mit Behinderung.

Das Projekt

Mit unserem Projekt möchten wir das 60-jährige Jubiläum der Lebenshilfe Grafschaft Diepholz zum Anlass nehmen, um Inklusion und nachbarschaftliches Miteinander in den Mittelpunkt zu rücken. In Form eines inklusiven Filmprojekts zeigen wir, wie Menschen mit Behinderungen heute selbstverständlich Teil des gesellschaftlichen Lebens in Sulingen sind – in der Nachbarschaft, im Arbeitsleben, bei Festen, in Cafés, im Sportverein oder im Supermarkt. Das war nicht immer so. Über viele Jahrzehnte hinweg waren Menschen mit Behinderung unsichtbar, ausgegrenzt oder institutionalisiert. Heute erleben wir eine neue Realität: Teilhabe, Selbstbestimmung und Inklusion sind gelebte Werte – sichtbar, nahbar und selbstverständlich. Dieses neue Miteinander möchten wir mit einem professionellen, lebensbejahenden Filmprojekt sichtbar machen – gestaltet mit und von Menschen mit Behinderungen. Unser Ziel ist es, mit dem Film Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen, Berührungsängste abzubauen und Begegnungen zu fördern. Der Film soll die Vielfalt in unserer Nachbarschaft zeigen und dabei Menschen mit Behinderungen als aktive Gestalter*innen ihres Lebens und ihres Umfelds porträtieren. Sie erzählen ihre Geschichten, führen Interviews, stehen vor und hinter der Kamera. In Workshops erhalten sie Unterstützung bei der filmischen Umsetzung und erwerben neue Kompetenzen im Bereich Medienarbeit. Die Filmvorführungen werden begleitet von moderierten Gesprächen, Begegnungsformaten und Aktionen im Stadtgebiet, um das Thema weiter in die Öffentlichkeit zu tragen. Das Projekt setzt bewusst im direkten Lebensumfeld der Menschen an. Es ist niedrigschwellig, partizipativ, inklusiv und nachhaltig. Es nutzt bestehende Strukturen wie Treffpunkte, Wohngruppen, lokale Veranstaltungsorte und bestehende Netzwerke der Lebenshilfe. Durch die Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren (z. B. Kino, Schulen, Vereine, Stadt Sulingen) entstehen neue Verbindungen und Impulse für das gesellschaftliche Zusammenleben. Nicht zuletzt ist dieses Projekt auch ein Statement gegen aktuelle gesellschaftliche Tendenzen der Ausgrenzung und Abwertung marginalisierter Gruppen. Es zeigt, dass Vielfalt unsere Gesellschaft bereichert – und dass Menschen mit Behinderungen ganz selbstverständlich zur Nachbarschaft dazugehören. Der Film wird öffentlichkeitswirksam in sozialen Medien, auf Veranstaltungen und in Bildungskontexten gezeigt – barrierefrei mit Untertiteln und ggf. Audiodeskription.

Ausgangslage

Sulingen ist eine lebendige Kleinstadt mit einer vielfältigen Bevölkerungsstruktur: Hier leben ältere Menschen, Familien, Menschen mit Zuwanderungsgeschichte und Menschen mit Behinderungen Tür an Tür. Doch obwohl viele Gruppen sichtbar sind, bleibt der Alltag von Menschen mit Behinderungen oft weitgehend unsichtbar – sowohl im öffentlichen Raum als auch in der Wahrnehmung der Nachbarschaft. Es fehlen Begegnungen auf Augenhöhe, echtes Verständnis füreinander und die Selbstverständlichkeit eines inklusiven Miteinanders. Diese Unsichtbarkeit führt dazu, dass Menschen mit Behinderungen trotz räumlicher Nähe im sozialen Leben oft isoliert bleiben – auch wenn sie im Stadtbild zunehmend präsent sind. Dabei gibt es viele positive Beispiele für gelebte Teilhabe: Menschen mit Behinderungen sind in Cafés, bei Veranstaltungen, im Einzelhandel oder im Vereinsleben aktiv. Doch diese Entwicklungen finden zu wenig öffentliche Beachtung. Gerade in Zeiten wachsender gesellschaftlicher Spaltung und eines spürbaren Rechtsrucks ist es wichtig, marginalisierte Gruppen sichtbar zu machen, Vielfalt zu feiern und aktiv für Inklusion einzustehen. Unser Projekt will einen Beitrag dazu leisten, dass Menschen in Sulingen ein besseres Verständnis füreinander entwickeln. Es soll dazu anregen, genauer hinzusehen: Wer sind eigentlich meine Nachbarinnen und Nachbarn? Wie leben Menschen mit Behinderungen in unserer Stadt? Und wie können wir aufeinander zugehen? Mit einem inklusiven Filmprojekt schaffen wir Aufmerksamkeit, bauen Berührungsängste ab und fördern ein respektvolles, vielfältiges Miteinander im direkten Wohnumfeld. Wir lernen unsere Nachbarn und uns gegenseitig endlich kennen!

Ansatz und Methodik

Die Lebenshilfe Grafschaft Diepholz verfügt über langjährige Erfahrung in nachbarschaftsorientierter Arbeit und ist fest im Gemeinwesen von Sulingen und Umgebung verankert. Unsere Arbeit folgt einem strukturierten Netzwerkansatz, der Kooperationen gezielt auf- und ausbaut. Ein zentraler Bestandteil ist unser hauptamtlicher Netzwerk- und Sozialraummanager mit jahrzehntelanger Erfahrung in der Gemeinwesenarbeit. Er aktiviert lokale Ressourcen, stärkt nachbarschaftliche Strukturen und fördert inklusive Teilhabe (mit GWA vertraut). Unterstützt wird er durch eine Fundraising-Managerin, die gezielt Fördermittel & Spenden für soziale Projekte akquiriert, sowie durch unsere Öffentlichkeitsbeauftragte, die stark in der Region – auch politisch – vernetzt ist. Ergänzt wird dieses Team durch erfahrene Sozialpädagog*innen & die Leitungen unserer Einrichtungen, die mit ihrer fachlichen Nähe zur Lebensrealität der Menschen mit Behinderung maßgeblich zur Entwicklung passgenauer Angebote beitragen. Ein gelungenes Beispiel ist das Projekt „Jetzt reden wir“, in dem Menschen mit geistiger Beeinträchtigung als Selbstvertreter*innen auftreten, sich in ihrer Nachbarschaft einbringen und neue soziale Räume erschließen. Im geplanten Filmprojekt greifen wir auf diese bewährten Strukturen zurück. Menschen mit Behinderungen, Fachkräfte und das multiprofessionelle Team unserer Lebenshilfe gestalten das Projekt gemeinschaftlich. So wird nicht nur Inklusion gelebt, sondern auch gezielt gestärkt.